Manche Kinder sind das erste Mal von zu Hause weg. 7 Tage weg von zu Hause, Mama, Papa, Geschwistern, Haustieren, den Gerüchen, Gewohnheiten und vielem mehr. Und nicht mehr wie es ist. Zusammen mit 50 unbekannten Gesichtern, neuen Gerüchen, Gewohnheiten und Reizen. Heimweh gehört zu den häufigsten Gefühlen, denen wir auf Freizeiten begegnen – und gleichzeitig zu den herausforderndsten. Für viele Teilnehmende ist es das erste Mal, längere Zeit ohne Familie und vertraute Umgebung zu verbringen. Neue Eindrücke, ungewohnte Abläufe und die Gruppe aus meist unbekannten Menschen können überwältigend sein.
Als Mitarbeitende stehen wir dabei vor der Aufgabe, Heimweh nicht nur zu erkennen, sondern auch sensibel und unterstützend damit umzugehen. Dieser Artikel soll dabei helfen, ein besseres Verständnis für Heimweh zu entwickeln und praktische Wege aufzeigen, wie wir betroffene Kinder und Jugendliche in solchen Situationen stärken können. Ziel ist es dabei immer Kindern mit Heimweh Sicherheit geben, ihre Gefühle ernst nehmen und sie dabei unterstützen, positive Erfahrungen auf der Freizeit zu machen. Als Mitarbeitende stehen wir oft an vorderster Front, wenn Heimweh spürbar wird. Manchmal zeigt es sich ganz offen – durch Tränen, Rückzug oder den Wunsch nach Hause zu gehen. In anderen Fällen bleibt es zunächst verborgen und äußert sich eher indirekt, etwa durch Bauchschmerzen, schlechte Laune oder mangelnde Teilnahme an Aktivitäten.
Heimweh hat fast immer etwas mit Unsicherheit zu tun. Deshalb kann man ihm am besten entgegenwirken, indem man den betreffenden Kindern Sicherheit gibt.
Nehmt euch Zeit für das Kind und hört aufmerksam zu. Das schafft Nähe und baut Vertrauen auf. Zeit für Gespräche und ein offenes Ohr können dabei oft mehr bewirken als schnelle Lösungen.
Beispiele zum Nachfragen
Folgendes solltest du nicht tun
Besonders wenn ihr das Kind nicht kennt, ist es ratsam, mehr über seine Interessen zu erfahren. Das lockert die Atmosphäre auf, sorgt dafür, dass Vertrauen zwischen euch entsteht, und gibt dir Anknüpfungspunkte, die du nutzen kannst.
Zum Beispiel: „Du spielst gern Fußball? Da kenne ich noch jemanden. Wollen wir zusammen eine Runde spielen?“ Oder: „Du zeichnest gern? Dann würden dir sicher die Workshops am Dienstag gefallen. Da kann man … machen.“
Beispiele zum Nachfragen nach Interessen
Beispiele zum Ablenken
Lösungen werden von Kindern oft besser akzeptiert, wenn man sie nicht einfach vorschlägt, sondern gemeinsam mit ihnen entwickelt.
Beispiele zum Nachfragen:
Unsicherheiten auflösen:
Ablenkung vom Heimweh:
Kinder vergessen ihr Heimweh oft zeitweise, wenn sie positive Erlebnisse haben oder das Gefühl bekommen, gebraucht zu werden.
Kleine Deals finden:
Oft ist es vor allem die erste Nacht, die den Teilnehmenden Sorgen macht. Ist diese überstanden, sind häufig schon viele Unsicherheitsfaktoren verschwunden, weil erste Erfahrungen gesammelt wurden – und Erfahrungen geben Sicherheit.
Achtet darauf, dass das Kind Anschluss findet. Dazu gehört, dass die Heimweh-Kinder gezielt in Kleingruppen integriert werden, gemeinsame Erfolgserlebnisse geschaffen werden und evtl. ein „Freizeit-Buddy“ gefunden wird.
Eine klare Tagesstruktur vermittelt Sicherheit und dazu gehören: feste Essenszeiten, feste Schlafenszeiten, wiederkehrende Rituale, tägliche Orientierung über den Ablauf
Die Haltung der Eltern ist sehr entscheidend, wie das Kind mit der neuen Situation umgeht. Vor der Freizeit die Frage: Wenn du Heimweh bekommst, dann holen wird dich jederzeit. Oder auch genau das Gegenteil: Wenn du Heimweh bekommst, können wir dich nicht abholen, weil wir auch im Urlaub auf Sardinien machen. Eltern haben ihre Kinder einfach auf einem Zeltlager angemeldet ohne, dass es das Kind überhaupt wollte. Das Kind hat dabei das Gefühl, die wollen mich loswerden. Deshalb sollten Telefonate immer sehr bewusst gestaltet werden.
Zusätzliche Unterstützung kann erforderlich sein, wenn:
Dann sollte das Betreuungsteam gemeinsam beraten und gegebenenfalls Kontakt zu den Eltern aufnehmen.
Ihr könnt euch auch den Placeboeffekt zunutze machen. Ich benutze bei meinen Freizeiten gern Traubenzucker und sage, dass dieser vielen Teilnehmenden schon geholfen hat. Das gibt dem Kind mit Heimweh das Gefühl, selbst etwas tun zu können.
Natürlich ist Transparenz gegenüber den Eltern wichtig! Lasst euch das am besten in eurem Freizeitbrief bestätigen. Nicht, dass der Verdacht aufkommt, die Mitarbeitenden hätten irgendwelche Medikamente verteilt.
Ich hoffe, der eine oder andere Tipp kann euch helfen. Nun viel Spaß beim Ausprobieren!
Liebe Grüße David